So wichtig ist der richtige Arbeitsschuh

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Im Jahr 2018 gab es 3.430 meldepflichtige Arbeitsunfälle mehr, als noch im Vorjahr. Das besagen die vorläufigen Unfall- und Berufskrankheitenzahlen 2018, die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) veröffentlicht hat. Jeder fünfte davon hätte mit dem richtigen Sicherheitsschuh verhindert werden können, denn er gehört zu den sogenannten SRS-Unfällen.
„SRS“ ist die Abkürzung für Stolpern, Rutschen und Stürzen. Unfällen dieser Art kann durch einen vorschriftsgemäßen Sicherheitsschuh vorgebeugt werden. Doch es kommt nicht nur auf das Einhalten der gesetzlichen Normen an, sondern auch auf die korrekte Passform des Schuhs – denn Fuß ist nicht gleich Fuß. Auch wenn der Aufbau des menschlichen Fußes bei jedem ähnlich ist, können Füße trotzdem unterschiedliche Ansprüche an einen Schuh haben.

Aufbau des Fußes

Der eigene Fuß wird oft unterschätzt. Doch so vielfältig wie seine Funktionen eigentlich sind, so komplex ist auch sein Aufbau. Jeder Fuß hat 28 Knochen – zwei davon allein im großen Zeh – und 57 Gelenke, die 108 Bänder zusammenhalten. Es kommunizieren insgesamt 1700 Nerven von unserem Fuß aus mit dem Gehirn und 90 000 Schweißdrüsen in der Fußsohle regulieren täglich unsere Körpertemperatur. Die Knochen im Fuß lassen sich in drei Bögen unterteilen: der innere Bogen geht vom Fersenbein bis zu den ersten Zehenknochen, der äußere Bogen führt vom Fersenbein bis zu den äußeren Zehen und der Querbogen erstreckt sich über Keilbeine und Kahnbein bis zum Mittelfußknochen. Um das alles zu schützen, hat unser Fuß auch eigene Stoßdämpfer für den Körper: Sehnen, Bänder, Fettpolster im Fuß und Muskeln. So kann sich der Fuß verschiedenen Untergründen anpassen und auftretende Kräfte reduzieren.

Der persönliche Gang

Wenn sich diese insgesamt 91.893 Elemente jetzt in Bewegung setzen, dann passiert das in drei Phasen. Jeder Schritt hat eine Aufsetz-, eine Belastungs- und eine Abhebe-Phase. Idealerweise verläuft der Gang dann von der Außenseite der Ferse über die Längsachse bis zum zweiten Zeh. Doch da Fuß nicht gleich Fuß ist, kann es auch hier bei jedem Menschen Abweichungen geben. Dreht man beim Gehen zuerst das Fersenbein nach außen, dreht sich dadurch auch die Fußsohle nach außen und es kommt zur sogenannten Pronation. Der Läufer knickt quasi bei jedem Schritt etwas nach innen ein.

Wenn beim Schritt hauptsächlich der äußere Bogen des Fußes belastet wird, dreht sich beim Gehen die Fußsohle nach innen und es kommt zur Supination – man knickt beim Gehen leicht nach außen. Nicht jeder hat also diesen idealen Gang und eine leichte Pronation ist sogar normal, da sie beim Gehen als Stoßdämpfung fungiert. Ist sie jedoch zu stark ausgeprägt, ist es wichtig den korrekten Arbeitsschuh dafür zu tragen. Bei sogenannten „Überpronierern“ ist es beispielsweise nötig, dass der Schuh eine stabile Fersenkappe besitzt und an den Stellen biegsam ist, an denen sich auch der Fuß biegt.

Verletzungen vorbeugen

Durch verschiedene Verstärkungen und Funktionalitäten des Schuhs, wird der Fuß beim Arbeiten gestützt und geschützt. Das ist wichtig, um mögliche Verletzungen zu verhindern oder ihnen von Anfang an vorzubeugen. Finden Arbeiten häufig auf unebenem oder rutschigem Untergrund statt, kann es leicht passieren, dass das sich Fußgelenk durch eine falsche Bewegung überdehnt und verstaucht.

Dann muss auf einen rutschfesten Arbeitsschuh geachtet werden, der auch die passende Sohle für das Gelände oder den täglichen Untergrund besitzt. Wenn der Schuh instabil ist kann es außerdem schnell zu einem Bänderriss kommen. Dabei reißt meistens das Band zwischen Waden- und Sprungbein und es kommt zu einer Schwellung des Fußgelenks. Deswegen ist es wichtig, einen Arbeitsschuh zu wählen, der stabil gebaut ist und den Fuß bei jedem Schritt stützt.

Hilfe vom Orthopäden

Zusätzlich zum richtigen Arbeitsschuh können auch noch Einlagen verwendet werden, um sogenannte Belastungsschäden zu behandeln. Diese entstehen durch eine längere Fehlhaltung des Fußes, welche zum Beispiel durch harte Böden oder einseitige Arbeitsabläufe eintreten kann. Dafür stellt ein Orthopäde dann individuell anpassbare Einlagen her, welche den schmerzenden Bereich entlasten und die Fehlstellung des Fußes korrigieren. Die benötigte Einlage hängt meistens von dem individuellen Fußgewölbe ab, welches der Orthopäden mit einem speziellen Fußscanner misst. Es kann normal, niedrig oder hoch sein und beeinflusst auch die Breite des Fußes. Menschen mit hohem Fußgewölbe haben einen eher schmalen Fuß und Personen mit niedrigem Fußgewölbe haben einen breiteren Fuß.

TIPP: Um das eigene Fußgewölbe zu ermitteln kann man sich einfach mit einem nassen Fuß auf ein Blatt Papier stellen und den Abdruck analysieren. Normalerweise zeigt der Abdruck auf der Innenseite des Fußes eine leichte Wölbung nach innen. Entsteht von der Ferse bis zu der Zehengrenze eine gerade Linie, hat man ein eher niedriges Fußgewölbe. Wenn der Abdruck in der Mitte eine Lücke hat, besitzt man ein eher hohes Fußgewölbe und somit einen schmäleren Fuß.

Einlagen

Es wird unterschieden zwischen ergonomischen und korrigierenden Einlagen. Ergonomische Einlagen entlasten den Fuß und können mögliche Fehlstellungen schnell und einfach berichtigen. Korrigierende Einlagen dienen als Fußbett, dämpfen Stöße und stützen den Fuß zusätzlich. So gibt es beispielsweise eine korrigierende Einlage, um einen Fersensporn zu behandeln. Eigentlich hat der Fuß unter der Ferse Fettpolster, die für Halt und Dämpfung beim Laufen sorgen. Wird die Ferse allerdings stark belastet, werden diese Polster komprimiert, das Fettgewerbe verschiebt sich und der Gang wird nicht mehr optimal gedämpft. Dadurch entwickelt sich dann häufig eine Entzündung im Fußgewebe. Die Fersensporneinlage ist ein anatomisch geformtes Fußbett aus einem stoßdämpfenden Material. Mit dieser Einlage wird das Fußbett mit einer Gewölbeunterstützung und dickerem Material an der Innenseite von Ferse und Vorderfuß versehen. Dadurch wird eine Pronation verhindert, welche häufig Ursache für solche Belastungsschäden ist.

Eine weitere Folge von starker Pronation, kann ein eingeklemmter Nerv sein. Wenn der Querbogen nicht richtig von Muskeln und Bändern gestützt wird, kann er sich senken. Dies führt dazu, dass sich der Nerv zwischen dem dritten und vierten Zeh zwischen den Zehenknochen einklemmt und bei jedem Schritt starke Schmerzen verursacht. Durch eine Vorderfußeinlage kann die Verletzung behandelt werden, da diese den Querbogen im Zehenbereich anhebt.

Wann darf man eine Einlage einsetzen?

Es kann allerdings nicht in jeden Arbeitsschuh eine orthopädische Einlage eingesetzt werden. Das ist nur möglich, wenn der Schuh der sogenannten DGUV 112-191 entspricht. Diese dient der Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und regelt in wie fern ein Sicherheitsschuh orthopädisch behandelt werden darf. Bei den Schuhen muss sichergestellt werden, dass sie nach der Veränderung noch der EN ISO 20345 entsprechen. Diese Norm legt Grundanforderungen fest, welche ein Arbeitsschuh erfüllen muss, um als Sicherheitsschuh bezeichnet werden zu können und unterteilt diese in verschiedene Sicherheitsklassen. Wenn die DGUV 112-191 Regel nicht eingehalten wird, und es zu einem Arbeitsunfall kommt, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Versicherung die Kosten nicht übernimmt, sehr hoch. Hierzu reicht es schon, die originale Einlegesohle durch die eines anderen Herstellers zu tauschen.

Für fast jeden Bereich gibt es also einen passenden Sicherheitsschuh oder eine Einlage. Selbst für Diabetiker oder Fußdeformitäten gibt es bereits eine Lösung auf dem Markt. Durch eine ausführliche Beratung über die Arbeitsklamotten und ihre Schutzfunktion können Arbeitsunfälle vermieden werden. Das schont nicht nur den Arbeiter, sondern auch das Unternehmen kann dadurch längerfristig Geld und Ressourcen durch gesunde Arbeitnehmer sparen.

7 Antworten auf &‌#8222;So wichtig ist der richtige Arbeitsschuh&‌#8220;

  1. Gute Informationen zum Thema Arbeitsschuhe. Gut zu wissen, dass diese nur mit orthopädischen Einlagen ausgestattet werden können, wenn sie der DGUV 112-191 entsprechen. Ich werde am Montag meinen Chef frage, ob er mir solche Schuhe zur Verfügung stellen kann, da ich öfter Knieschmerzen habe.

  2. Seit Beginn der Pandemie muss ich sehr viel im Lager arbeiten und laufe deshalb nahezu den ganzen Tag durch die Gegend. Nun habe ich gemerkt, dass ich seitdem starke Fuß- und Knieschmerzen habe. Danke für den Hinweis, dass zusätzlich zu einem richtigen Arbeitsschuh auch orthopädische Einlagen die sogenannten Belastungsschäden behandeln können. Ich gebe zu, dass meine Arbeitsabläufe wirklich sehr einseitig sind, daher wäre es toll, wenn individuell angepasste Einlagen meine Fehlstellung korrigiert würden.

  3. Mit diesen Informationen zum Thema Orthopädie kann ich die richtige Entscheidung treffen. Es ist nicht immer einfach, eine Entscheidung zu treffen. Vor allem, wenn man nicht genau weiß, was die Möglichkeiten sind.  

  4. Vielen Dank für den Beitrag zum Thema Arbeitsschuhe. Mein Onkel möchte im Gewölbebau arbeiten und benötigt für die Arbeit die passenden Arbeitsschuhe. Gut zu wissen, dass Arbeitsschuhe rutschfest sind und die Füße schützen.

  5. Vielen Dank für die Informationen über die Bedeutung von guten Arbeitsschuhen. Ich arbeite schon lange in Schuhen, die wahrscheinlich nicht für meine Arbeit geeignet sind. Meine Füße schmerzen, deshalb suche ich nach einem Orthopäden, mit dem ich mich treffen kann, um festzustellen, was für meine Füße getan werden kann.

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