Gefahrstoffmanagement im Betrieb

Gefahrstoffmanagement im Betrieb richtig anwenden

In handwerklichen, industriellen und technischen Betrieben kommen Mitarbeiter regelmäßig mit Gefahrstoffen in Berührung. Ätzende Säuren, hochexplosive Inhaltsstoffe und leicht brennbare Materialien erfordern Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit und Umwelt. Ein erfolgreiches Gefahrstoffmanagement für den Umgang mit gefährlichen Stoffen ist deshalb wichtig. Erfahren Sie in diesem Beitrag wie Gefahrstoffmanagement in Betrieben umgesetzt werden kann.

Gefahrstoffmanagement – was ist damit gemeint?

Grundsätzlich gilt: Jedes Unternehmen, das gefährliche Stoffe produziert, weiterverarbeitet, transportiert oder entsorgt, sollte ein sinnvolles Gefahrstoffmanagement in den eigenen Betrieb implementieren. Ohne spezielle Arbeitsschutzmaßnahmen ist ein sicheres Arbeiten mit gefährlichen und gesundheitsschädlichen Substanzen nämlich undenkbar – für die Mitarbeiter also keineswegs zumutbar.

Das übergeordnete Ziel des Gefahrstoffmanagements ist es, die gesundheitliche Gefährdung und Umweltbelastung durch Gefahrstoffe möglichst zu reduzieren bzw. vollkommen zu vermeiden. Mit speziellen Maßnahmen kann die Sicherheit im Betrieb gewährleistet werden. Dazu zählen die sichere Lagerung von Gefahrstoffen und der Einsatz von entsprechender Schutzbekleidung.

So funktioniert Gefahrstoffmanagement im Betrieb

Ob Altöl, Bleibatterien, Chemikalien oder Metallreste: Mit gefährlichen Stoffen sollte nicht unvorbereitet hantiert werden. Das Gefahrstoffmanagement trifft konkrete Maßnahmen, die den richtigen Umgang mit gesundheits- und umweltschädlichen Substanzen definieren.

1. Ausführliches Gefahrstoffverzeichnis

Für ein erfolgreiches Gefahrstoffmanagement sollte im ersten Schritt ein detailliertes Gefahrstoffverzeichnis erstellt werden. Dabei handelt es sich um eine ausführliche Auflistung aller gefährlichen Stoffe, die im Betrieb zum Einsatz kommen. Laut § 12 der Gefahrstoffverordnung des BMJV sind die nachfolgenden Angaben im Gefahrstoffverzeichnis bzw. Gefahrstoffkataster für Unternehmen verpflichtend:

  • Bezeichnung des Gefahrstoffs
  • Angaben zu gefährlichen Eigenschaften
  • Arbeitsbereiche, in denen Beschäftigte mit dem Gefahrstoff in Kontakt kommen

Ein Gefahrstoffverzeichnis hilft Arbeitgebern und -nehmern einen Überblick über alle gefährlichen Stoffe im Betrieb zu behalten. Außerdem bietet es Unternehmen eine ausgezeichnete Entscheidungsgrundlage. Auf Basis des Gefahrstoffkatasters können Dienstgeber z. B. entscheiden, ob für die gleichen Arbeitstätigkeiten verschiedene Gefahrstoffe zum Einsatz kommen.

2. Persönliche Schutzausrüstung

Eine weitere Maßnahme für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen bildet die persönliche Schutzausrüstung für jeden Mitarbeiter. Damit sind jegliche Vorrichtungen und Mittel gemeint, die den Körper vor Gesundheitsgefährdungen bestmöglich schützen. Je nach Eigenschaften der Gefahrstoffe sind die folgenden Ausrüstungen besonders empfehlenswert:

  • Atemschutz: Manche schädlichen Substanzen können eingeatmet werden und gesundheitliche Folgen haben. Eine Halbmaske mit Filterelementen ist ein geeigneter Atemschutz beim Arbeiten mit giftigen Dämpfen.
  • Schutzhandschuhe: Gerade im Umgang mit ätzenden Substanzen (z. B. Natronlauge) müssen die Hände rundum geschützt werden. Ansonsten gelangen die schädlichen Stoffe über die Haut ins Blut und können in weiterer Folge die Organe schädigen. Schutzhandschuhe gehören deshalb zur Grundausrüstung in Betrieben, die mit Gefahrstoffen arbeiten.
  • Schutzanzug: Zum Schutz vor beispielsweise Gasen, Dämpfen, Spritzern und Staub lohnt sich ein Schutzanzug. Dieser verhindert den direkten Kontakt mit dem jeweiligen Gefahrstoff. Auf diese Weise kann der Körper rundum geschützt werden.
  • Schutzstiefel: Gefahrstoffresistente Gummistiefel sind besonders bei diversen Gieß- und Sprühanwendungen von verschiedenen Gefahrstoffen ratsam.

3. Mitarbeiterschulungen

Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter im richtigen Umgang mit Gefahrstoffen einzuschulen. Deshalb sollten regelmäßige Schulungen für Angestellte, die mit gesundheitsschädlichen Substanzen in Berührung kommen, durchgeführt werden. So werden Mitarbeiter bestens auf die Handhabung der Gefahrstoffe vorbereitet. Außerdem bietet sich im Zuge dessen die Möglichkeit, eventuelle Unklarheiten auszuräumen.

Neben Schulungen ist auch eine leicht verständliche Betriebsanweisung erforderlich, damit Mitarbeiter in den gefährdeten Arbeitsbereichen immer genau darüber informiert sind, wie mit den Gefahrstoffen richtig umzugehen ist. In der Betriebsanweisung sollten folgende Fragen beantwortet sein:

  • Welche Gefahren bestehen?
  • Welche Schutzausrüstung ist zu tragen?
  • Was ist im Ernstfall zu tun?
  • Wer kann im Notfall verständigt werden?

4. Gefahrstoffmanagement-Software

Damit kein Chaos in Betrieben entsteht, helfen bestimmte Software-Lösungen beim Gefahrstoffmanagement. Sie können Unternehmen dabei unterstützen, den Überblick über sämtliche Gefahrstoffe im Betrieb zu behalten und die bestehenden Regeln der Gefahrstoffverordnung einzuhalten. Außerdem können Softwareprogramme bei der Erstellung der Betriebsanweisungen, Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen helfen.

Somit unterstützt eine Gefahrstoffmanagement-Software den Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz in Unternehmen – und das alles ohne großen organisatorischen Aufwand. Noch dazu kann sichergestellt werden, dass Gefahrstoffregelungen immer auf dem aktuellen Stand sind.

5. Richtige Gefahrstofflagerung

Gesundheitsschädliche und umweltbelastende Substanzen müssen möglichst sicher verwahrt werden. Dadurch werden Mitarbeiter keinem Risiko ausgesetzt, selbst wenn sie gerade nicht mit den Gefahrstoffen arbeiten. Eine spezielle Aufbewahrung ist deshalb unbedingt erforderlich. Auf diese Weise können sowohl die Gefahrstoffverordnung eingehalten als auch die Anforderungen der einzelnen Gefahrstoffe erfüllt werden. Folgende Lagermöglichkeiten stehen zur Auswahl:

  • Klassische Auffangwannen: So kann z. B. das Einsickern von Gefahrstoffen ins Erdreich vermieden werden.
  • Gefahrstoffboxen: Diese Aufbewahrungsmöglichkeit lohnt sich für gefährliche Stoffe, bei denen eine gewisse Transportfähigkeit gegeben sein muss.
  • Gefahrstoffregale oder -schränke: In speziellen Regalen oder Schränken können Gefahrstoffe in Fässern und Kleingebinden (z. B. Ölkanister, Farbdosen) aufbewahrt werden.

Aus diesem Grund ist es von großer Wichtigkeit, die Gefahrstoffe am richtigen Ort zu lagern. Sie sollten auf keinen Fall ungesichert in z. B. Fluren, Treppenhäusern, Aufenthaltsräumen oder Durchfahrten gelagert werden. Stattdessen ist es ratsam, gefährliche Substanzen in jedem Fall möglichst sturzsicher in Originalbehältern oder Auffangwannen zu verwahren. Am besten werden Gefahrstoffe in einem eigenen Gefahrstoffdepot aufbewahrt.

Gefahrstoffmanagement: Maximale Sicherheit im Betrieb

Erfolgreiches Gefahrstoffmanagement bildet die Grundvoraussetzung für den sicheren Umgang mit gefährlichen Substanzen am Arbeitsplatz. So ist es möglich, die Mitarbeitergesundheit zu fördern und die Umweltbelastung langfristig zu verringern.


Gastautor: Kevin Kalitzki (Vertriebsleitung & Prokurist) von Protecto

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